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1. Mai Ausfahrt

Ein Uhu und 60.000 im Sommer ..

.. im Winter 20.000, das ist die Anzahl der Bienen eines Volks, wie Marcus uns eindrucksvoll erklärte. Er hat sein Hobby zum Beruf gemacht und ist inzwischen Herrscher über 120 Völker. Und wer nachrechnen will, im Sommer nennt er über 7,2 Millionen der kleinen fleißigen Lebewesen sein eigen. Doch der Reihe nach: Kurzfristig mussten wir für die geplante Maiausfahrt umdisponieren und Joachim organisierte die Fahrt in den Spessart zu Hubert. Hubert? Ja, ihn haben wir schon einmal vor Jahren besucht. Er ist Förster und Heger mit Leib und Seele im bayerischen Spessart. Auch wenn dieses mal seine faszinierenden Ausführungen ein wenig pessimistisch klangen, denn dem Wald fehlt Feuchtigkeit. Aber nicht nur der fehlende Regen macht den Bäumen zu schaffen, sondern vor allem auch die Zersiedlung der Landschaft mit dem immer größeren Wasserbedarf und dem damit verbundenen Absinken des Grundwasserspiegels, was er uns eindrucksvoll schilderte.

Hubert also vorneweg und wir folgten ihm mit 19 Unimogs durch seinen Wald. An besonders markanten Stellen hielten wir an und lauschten seine Ausführungen über absterbende Buchen mit entsprechend lichten Kronen, 120 Jahre alte Eichenbestände und umzäunte Waldstücke, innerhalb denen neue Baumarten angepflanzt sind. „Wir wissen es nicht, wie erfolgreich wir hier sein werden“ sinnierte Hubert nachdenklich vor dem Hintergrund, dass man im Wald in Jahrzehnten wenn nicht noch in längeren Zeiträumen denken muss. Trotzdem war es überraschend, wie schnell sich beispielsweise der Wald Brachflächen ‚zurückholt‘. Und da es eine Verpflichtung im Naturpark Spessart gibt, Wiesenflächen als solche zu erhalten, war seine erfolgreiche Idee, mit Rotwild die Wiesen zu beweiden und so ungewollten Pflanzenbewuchs niedrig zu halten. Beeindruckende Exemplare erledigen das zuverlässig. Grünlandmanagement beziehungsweise einen Beitrag zur Biodiversität nennt man das.

Nach dem Rotwild und wie es der Zufall wollte, trafen wir Susanne, eine Falknerin mit einem Uhu, die größte Eule in Deutschland. Auch wenn der Vogel brav auf ihrem Arm saß, sollte man die Kraft seiner Krallen nicht unterschätzen, 300kg (!) Anpressdruck schaffen sie. Dem entkommt man nur, indem man schnell eine Haube über den Kopf zieht. „Und vergesst, dass es da irgendwelche sozialen Bindungen mit dem Uhu gäbe. Er ist einfach gewohnt, dass es bei mir Futter gibt“, erklärte sie. Uhus in freier Natur leben wesentlich kürzer, denn das Leben dort ist einfach viel anstrengender und auch gefährlicher für den Vogel. Und da wir gerade bei Daten aus der Natur sind: 270 Grad kann der Uhu seinen Kopf drehen, und zwar auch von oben nach unten. Und da sie besser hören als sehen, bleibt ihnen in Lauerstellung mit der lautlosen Kopfdrehung auch nicht das leiseste Rascheln einer Maus verborgen. Doch genug der Biologie, zurück zum prallen Leben der Mogler…

Vorgesehen im Programm war für uns sogar ein Ständchen der Blaskapelle in Hobbach. Doch wir waren verspätet und wie Hubert erklärte, war das Bierzelt am 1. Mai einfach zu verlockend. So fuhren wir gleich weiter zu einem traumhaft am Waldrand gelegenen Wiesen- und Streuobst Grundstück, dem Heimatstandort der Bienen. Dort wartete Huberts Frau mit ihrem Chef mit köstlichem Lakefleisch, ein in eine Salzlake eingelegtes und in Alufolie am Feuer gegartes Schweinefleisch, das seinen Ursprung im Spessart hat.

Und wer nach Kaffee und Kuchen noch nicht genug hatte, der konnte frisch geschleuderten Honig probieren, eine weitere Köstlichkeit. Und damit sind wir wieder bei Marcus, dem Imker, der uns erklärte, warum Rauch die Bienen ‚beruhigt‘. Rauch ist für die Bienen schlicht und ergreifend das Signal, dass es brennt und so saugen sie sich mit Honig voll, um an anderer Stelle wieder neu

anzufangen und Waben zu bauen. Sie stellen aber schnell fest, dass es gar kein Feuer gibt und so warten die Bienen völlig relaxed erst einmal ab und der Imker kann arbeiten. Ganz schön clever.

Genauso relaxed, allerdings ohne Rauch, erlebten wir diese wunderschöne Ausfahrt in den Spessart und abgesehen davon, dass wir einen Mog zunächst im Wald zurücklassen mussten und später auf der Heimfahrt ein weiterer Mog ausfiel, gab es keine besonderen Vorkommnisse. Der Vollständigkeit halber: Die beiden Mogs konnten wieder gangbar gemacht beziehungsweise zur Werkstatt von Tobias geschleppt werden. (Georg Kunze)

 

 

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